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Beziehung kommt vor Tempo


Wenn Entwicklung Zeit braucht – und Geduld nicht mitkommt.


Vor einiger Zeit begann ein Mädchen bei mir in der pferdegestützten Begleitung.

Beim ersten Termin schrie sie, sobald sich eines der Pferde bewegte. Zehn Meter Abstand reichten aus, um ihr ganzes System in Alarm zu versetzen. An Reiten war nicht zu denken. An Nähe auch nicht.

Wir haben nicht „geübt“.


Wir haben Sicherheit aufgebaut.

Sicherheit im Raum.


Sicherheit mit mir.


Beobachten dürfen.


Abstand halten dürfen.


Selbst entscheiden dürfen.

Mit großen Abständen zwischen den Terminen – und trotz wiederholter Absagen – sind wir Schritt für Schritt gegangen. Ohne Druck. Ohne Beschleunigung.

Beim fünften Termin saß dieses Kind neben Smoky, während sie ruhig trank.

Neugierig.


Wach.


Fast angstfrei.

Smoky streckte ihre Nase zu ihr.


Das Mädchen legte ihren Mund einen kurzen Moment an die weiche Pferdenase.

Keine Aufforderung.


Kein „Jetzt trau dich“.


Keine Erwartung.

Nur Kontakt.

Beide haben sich berührt.


Es war ein wunderschöner, stiller Moment.

Wer mit Pferden arbeitet, weiß, was das bedeutet.


Das sind keine kleinen Fortschritte.


Das sind innere Verschiebungen.

Und dann kam der Abbruch

Parallel dazu gab es immer wieder Grenzüberschreitungen im Außen:

Zu frühes Erscheinen. Zu spätes Erscheinen.


Absprachen, die nicht eingehalten wurden.


Ungeduld.


Der Wunsch, dass das Kind „endlich reitet“.

Ich erkläre meine Arbeitsweise transparent:


Beziehung vor Tempo.


Sicherheit vor Aktion.


Kontakt vor Sattel.

Doch der Druck blieb.

Heute wurde es sehr deutlich.


Ich musste klar werden. Sehr klar.

Ich habe gespürt, dass ich wütend bin. Nicht laut, nicht verletzend – aber spürbar.


Weil ich gemerkt habe: Hier versucht jemand, meinen fachlichen Rahmen zu verschieben. Und das betrifft nicht nur mich, sondern auch das Kind und meine Pferde.

Kurz darauf kam die Nachricht:


Sie möchten die Begleitung beenden.

Wie ging es mir damit?

Es hat mich getroffen.

Gerade, weil es anfing, gut zu werden.


Gerade, weil ich gesehen habe, was möglich ist.


Gerade, weil dieses Mädchen begonnen hat, Vertrauen zu fassen.

Und ja – es hat mich Kraft gekostet, so klar zu bleiben.


Meine Grenze zu vertreten.


Nicht einzuknicken.

Ich arbeite über Beziehung.


Ich arbeite leise.


Ich arbeite verbindend.

Und in solchen Momenten fühlt sich Klarheit schnell hart an.

Mein Learning

Grenzen sind nicht das Gegenteil von Verbindung.


Sie sind ihre Voraussetzung.

Ich darf freundlich sein – und gleichzeitig klar.


Ich darf Verständnis haben – und trotzdem meinen Rahmen halten.


Ich darf wütend werden – und dennoch professionell bleiben.

Und vor allem:


Ich darf meinem Tempo treu bleiben.

Nicht jede Familie kann oder möchte diesen Weg gehen.


Das ist in Ordnung.

Meine Aufgabe ist es nicht, Erwartungen zu erfüllen.


Meine Aufgabe ist es, sichere Räume zu halten.

Für Kinder. Für Jugendliche. Für Erwachsene.


Für Pferde.


Und auch für mich.

Wofür ich dankbar bin

Dieses Mädchen hat mir noch einmal gezeigt, wie kraftvoll langsame Schritte sind.

Und diese Situation hat mir gezeigt, dass ich meine Führung klar halten kann – auch wenn es unbequem wird.

Manche Prozesse enden früher, als man es sich wünscht.


Doch echte Entwicklung geht nie verloren.

Ein Kind, das freiwillig Kontakt aufnimmt, ist weiter als ein Kind, das aus Druck auf einem Pferd sitzt.

Und ich bleibe dabei:


Beziehung kommt vor Tempo.

 
 
 

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1 Kommentar


Du machst dass so gut Tina, ich bewundere deinen Weg der ist genau richtig und genau das ist was Kinder brauchen und nicht das was die Eltern erwarten.

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